VMware-Alternativen für KMU: Migration zu Vates, Hyper-V oder Proxmox
Seit der Übernahme durch Broadcom ist VMware für viele kleine und mittlere Unternehmen deutlich teurer geworden. Was sich geändert hat, welche drei Alternativen infrage kommen und worauf es bei der Migration ankommt.
Für viele kleine und mittlere Unternehmen war VMware vSphere jahrelang die selbstverständliche Grundlage ihrer Server-Landschaft. Seit der Übernahme durch Broadcom Ende 2023 hat sich das geändert: Lizenzmodell, Editionen und Preise wurden grundlegend umgestellt. Viele KMU stehen heute vor der Frage, ob sie die höheren Kosten tragen oder auf eine andere Virtualisierungsplattform wechseln.
In diesem Artikel zeigen wir, was sich bei VMware geändert hat, welche drei Alternativen für den Mittelstand infrage kommen – Vates (XCP-ng mit Xen Orchestra), Microsoft Hyper-V und Proxmox VE – und worauf es bei einer Migration ankommt. Eine pauschale Empfehlung für ein Produkt geben wir bewusst nicht: Welche Plattform passt, hängt von Ihrer Ausgangslage ab.
Warum viele KMU über einen VMware-Ausstieg nachdenken
Broadcom hat das VMware-Geschäft nach der Übernahme konsequent auf große Kunden ausgerichtet. Für kleinere Umgebungen sind vor allem diese Änderungen spürbar:
- Nur noch Abonnements: Unbefristete Lizenzen werden seit Dezember 2023 nicht mehr verkauft, auch die Verlängerung von Wartungsverträgen für Bestandslizenzen wurde eingestellt.
- Abrechnung pro CPU-Kern: Lizenziert wird jeder physische Kern, mindestens jedoch 16 Kerne pro Prozessor – auch wenn der Server weniger hat.
- Weniger Editionen: Das bei KMU beliebte Paket vSphere Essentials Plus wurde abgekündigt. Die neue Hauptversion vSphere 9 gibt es nur noch in den großen Paketen VMware Cloud Foundation und vSphere Foundation, die zudem nicht in allen europäischen Ländern erhältlich sind.
- Aufschlag bei später Verlängerung: Wer sein Abonnement nicht rechtzeitig verlängert, zahlt laut Fachpresse 20 Prozent Aufschlag auf das erste Jahr.
- Ende des Supports: vSphere 7 erhält seit Oktober 2025 keinen allgemeinen Support mehr, für vSphere 8 endet er im Oktober 2027.
Wie stark die Kosten steigen, hängt vom Einzelfall ab. Belastbare Zahlen speziell für KMU gibt es nicht. Der europäische Verband der Cloud-Anbieter CISPE und der Anwenderverband VOICE berichten von Steigerungen um mehrere hundert Prozent; in einer US-Umfrage unter größeren Unternehmen gaben 59 Prozent Mehrkosten von 25 bis 49 Prozent an. Die EU-Kommission prüft die Lizenzpraxis inzwischen, eine Entscheidung gibt es bisher nicht.
Das kostenlose ESXi ist seit April 2025 wieder verfügbar, allerdings mit engen Grenzen: höchstens zwei Prozessoren, acht virtuelle CPUs pro VM, keine zentrale Verwaltung über vCenter und kein Herstellersupport. Für produktive Firmenumgebungen ist das in der Regel keine Lösung.
Die drei Alternativen im Überblick
Alle drei Plattformen sind ausgereift, werden aktiv weiterentwickelt und eignen sich für den professionellen Einsatz. Sie unterscheiden sich vor allem in Technik, Lizenzmodell und Verwaltung.
Vates: XCP-ng und Xen Orchestra
XCP-ng ist ein Open-Source-Hypervisor auf Basis von Xen, Xen Orchestra die zugehörige Verwaltungsoberfläche im Browser. Zusammen vertreibt der französische Hersteller Vates sie als „Vates VMS“. Die aktuelle Langzeitversion XCP-ng 8.3 LTS wird bis November 2028 unterstützt.
- Lizenzmodell: Support-Abonnements pro Host statt pro Kern oder Prozessor. Das Einstiegspaket für bis zu drei Hosts liegt laut Hersteller bei 2.000 Euro pro Jahr (Stand Oktober 2026). Der Einsatz ohne Abonnement ist möglich, dann ohne Herstellersupport.
- Umstieg von VMware: Xen Orchestra bringt einen Import-Assistenten mit, der VMs von ESXi 7 und 8 übernimmt, auch im laufenden Betrieb.
- Datensicherung: Xen Orchestra hat eine eigene Backup-Funktion. Veeam unterstützt XCP-ng seit Version 13.1 vom Juli 2026.
Microsoft Hyper-V
Hyper-V ist Bestandteil von Windows Server und damit in vielen Unternehmen bereits lizenziert. Verwaltet wird über den Hyper-V-Manager, das Windows Admin Center oder – in größeren Umgebungen – System Center Virtual Machine Manager (SCVMM).
- Lizenzmodell: Windows Server 2025 wird pro Kern lizenziert, mindestens 16 Kerne pro Server. Die Standard-Edition erlaubt zwei Windows-Server-VMs pro vollständig lizenziertem Host, die Datacenter-Edition beliebig viele. Den kostenlosen „Hyper-V Server“ gibt es seit der Version 2019 nicht mehr.
- Umstieg von VMware: Microsoft nennt SCVMM und Azure Migrate als Werkzeuge. SCVMM konvertiert VMs nur im ausgeschalteten Zustand.
- Hybride Szenarien: Wer Azure nutzt, kann mit Azure Local (früher Azure Stack HCI) eine eng an die Cloud angebundene Variante einsetzen – mit eigenem, monatlichem Abrechnungsmodell.
- Datensicherung: Hyper-V wird von nahezu allen gängigen Backup-Lösungen unterstützt, darunter Veeam.
Proxmox VE
Proxmox Virtual Environment ist eine Open-Source-Plattform des Wiener Herstellers Proxmox auf Basis von Debian Linux und KVM. Aktuell ist Version 9.2 vom Mai 2026. Verwaltet wird über eine Weboberfläche, mehrere Cluster lassen sich mit dem Proxmox Datacenter Manager zentral steuern.
- Lizenzmodell: Die Software ist kostenlos. Support und das stabile Update-Repository gibt es als Abonnement pro CPU-Sockel und Jahr, von 120 Euro (Community) bis 1.100 Euro (Premium) laut Preisliste (Stand Oktober 2026). Alle Knoten eines Clusters benötigen dieselbe Stufe.
- Umstieg von VMware: Seit Version 8.2 gibt es einen integrierten Import-Assistenten für ESXi 6.5 bis 8.0.
- Datensicherung: Mit dem Proxmox Backup Server gibt es eine hauseigene Lösung. Veeam unterstützt Proxmox VE seit Version 12.2.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Vates (XCP-ng + Xen Orchestra) | Microsoft Hyper-V | Proxmox VE |
|---|---|---|---|
| Technische Basis | Xen, Open Source | Windows Server | KVM auf Debian, Open Source |
| Lizenz- bzw. Abo-Modell | Support-Abo pro Host | Windows-Server-Lizenz pro Kern | Support-Abo pro CPU-Sockel |
| Ohne Herstellerabo nutzbar | ja | nein (Windows-Server-Lizenz nötig) | ja |
| Verwaltung | Xen Orchestra (Browser) | Hyper-V-Manager, Windows Admin Center, SCVMM | Weboberfläche, Datacenter Manager |
| Import von VMware | Assistent in Xen Orchestra | SCVMM, Azure Migrate | integrierter Import-Assistent |
| Unterstützung durch Veeam | ab Version 13.1 | ja | ab Version 12.2 |
Welche Plattform passt? Das hängt von Ihrer Ausgangslage ab
Eine Plattform, die für jedes Unternehmen die beste ist, gibt es nicht. Ob sich ein Wechsel lohnt und wohin, entscheiden Fragen wie diese:
- Lizenzen: Welche Windows-Server-Lizenzen sind bereits vorhanden, und wie werden Ihre Gastsysteme lizenziert? Windows-Server-Lizenzen hängen immer an den Kernen des physischen Hosts – unabhängig vom Hypervisor.
- Hardware: Wie viele Server, Prozessoren und Kerne setzen Sie ein? Weil die Modelle pro Host, pro Sockel oder pro Kern abrechnen, wirkt sich die Hardware sehr unterschiedlich auf die Kosten aus.
- Know-how: Ist Ihr Team eher in der Windows- oder in der Linux-Welt zu Hause? Wer betreut die Plattform im Alltag?
- Verfügbarkeit: Brauchen Sie einen Cluster mit Hochverfügbarkeit und Live-Migration, oder reicht ein einzelner Host?
- Support: Welche Reaktionszeiten erwarten Sie vom Hersteller, und wie wichtig ist ein Ansprechpartner im deutschsprachigen Raum?
- Datensicherung: Welche Backup-Software ist im Einsatz, und unterstützt sie die Zielplattform vollständig?
- Strategie: Spielen Cloud-Dienste wie Azure in Ihrer Planung eine Rolle?
Die Antworten führen je nach Unternehmen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Deshalb lohnt es sich, die Kriterien vor einer Entscheidung systematisch zu bewerten – idealerweise mit einer Kostenrechnung über mehrere Jahre und einem Test auf der eigenen Hardware.
So läuft eine Migration ab
Ein Wechsel der Virtualisierungsplattform ist gut planbar, wenn er schrittweise erfolgt:
- Bestandsaufnahme: Alle VMs, ihre Abhängigkeiten, Lizenzen und Laufzeiten der VMware-Verträge erfassen.
- Zielplattform testen: Eine Testumgebung aufbauen und zunächst unkritische VMs migrieren.
- Datensicherung klären: Sicherstellen, dass Backup und Wiederherstellung auf der neuen Plattform funktionieren – mit einem echten Wiederherstellungstest.
- Migration in Wellen: Die produktiven VMs in kleinen Gruppen umziehen, jeweils mit Rückfallplan.
- Nacharbeiten: Treiber, Netzwerk, Monitoring und Dokumentation an die neue Plattform anpassen.
Typische Stolpersteine
- VMware Tools und Snapshots: Die VMware Tools sollten vor dem Umzug entfernt und vorhandene Snapshots zusammengeführt werden.
- Treiber: Je nach Ziel werden VirtIO-Treiber (Proxmox), Xen-Treiber (XCP-ng) oder die Hyper-V-Integrationsdienste benötigt – idealerweise vorab installiert.
- Verschlüsselung: Bei virtuellem TPM und BitLocker unbedingt vorher die Wiederherstellungsschlüssel sichern.
- Netzwerk: MAC-Adressen, feste IP-Adressen und DHCP-Reservierungen dokumentieren, da sie sich beim Umzug ändern können.
- Software-Lizenzen: Manche Anwendungen binden ihre Lizenz an Hardware-Merkmale der VM und müssen nach dem Umzug neu aktiviert werden.
- Migrationswerkzeuge: Seit Ende August 2026 stellt Broadcom die für viele Werkzeuge nötige Programmbibliothek VDDK nicht mehr öffentlich bereit. Einige Migrations-Tools funktionieren deshalb nur noch eingeschränkt – vor dem Projekt prüfen, ob das gewählte Werkzeug betroffen ist.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Den Zeitplan sollten Sie an zwei Terminen ausrichten: am Verlängerungsdatum Ihres VMware-Abonnements, damit kein Aufschlag fällig wird, und am Support-Ende von vSphere 8 im Oktober 2027. Wer jetzt mit der Bestandsaufnahme beginnt, kann Test und Migration ohne Zeitdruck durchführen.
Fazit
Die Preis- und Lizenzpolitik von Broadcom macht VMware für viele KMU deutlich teurer. Mit Vates, Hyper-V und Proxmox stehen drei ausgereifte Alternativen bereit, die sich in Technik, Lizenzmodell und Verwaltung unterscheiden. Welche davon zu Ihrem Unternehmen passt, lässt sich nicht pauschal beantworten – sondern nur anhand Ihrer Lizenzen, Hardware, Ihres Know-hows und Ihrer Anforderungen an Verfügbarkeit und Support.
Erle-IT unterstützt Sie dabei herstellerunabhängig: von der Bestandsaufnahme über die Bewertung der Kriterien und den Test auf Ihrer Hardware bis zur Migration und dem anschließenden Betrieb.
Quellen
- The Register: Broadcom beendet unbefristete VMware-Lizenzen (12.12.2023)
- The Register: Aufschlag bei verspäteter Verlängerung (28.03.2025)
- heise online: vSphere-Editionen und vSphere 9 (03.09.2026)
- heise online: Broadcom erschwert den VMware-Ausstieg (VDDK) (22.09.2026)
- Broadcom: Kostenloses ESXi 8.0 U3e (2025)
- Vates: Preise und Support (abgerufen 05.10.2026)
- XCP-ng: Versionen und Support-Zeiträume
- Proxmox: Preise für Abonnements (abgerufen 05.10.2026)
- Proxmox-Wiki: Migration zu Proxmox VE
- Microsoft: Windows Server 2025 – Preise und Lizenzierung
- Microsoft Learn: VMware-VMs mit SCVMM konvertieren
- Veeam: Versionshinweise Backup & Replication 12.2
- Veeam Community: Backup & Replication 13.1